Wenn ich es besser sehe -

und trotzdem nichts sage

Es gibt Momente, in denen ich neben jemandem stehe und zuhöre, wie etwas erklärt wird. Sachlich, korrekt gemeint – und gleichzeitig spürbar unklar, an manchen Stellen unstrukturiert. Während gesprochen wird, zeigt sich beim Gegenüber schon, dass nicht alles ankommt. Ein Zögern, ein kurzer Blick, der andeutet, dass noch etwas fehlt.

 Die Erklärung geht weiter und bewegt sich dabei ein Stück an diesem Punkt vorbei.

In mir entsteht Unruhe. Nicht sofort greifbar, eher ein inneres Nach-vorne-Gehen, als müsste ich etwas ordnen oder ergänzen. Im Kopf formuliere ich längst anders, einfacher vielleicht, näher an dem, was ich gerade wahrnehme. Ein Satz würde reichen.

Ich sage nichts.

Stattdessen bleibe ich, nehme mich zurück oder gehe einen Schritt zur Seite. Nicht, weil es gleichgültig wäre, sondern weil ich spüre, was es mich kostet, nicht einzugreifen.

Ich sehe, was ankommt. Und auch, was offen bleibt. Und ich weiß, dass ein anderer Satz etwas verändern könnte.

Trotzdem greife ich nicht ein.

Zuerst, weil ich den anderen nicht übergehen will. Es ist nicht mein Moment. Und dann, weil ich dem Gegenüber etwas lasse: die Möglichkeit, selbst nachzufragen, sich zu orientieren, den eigenen Weg durch das Gesagte zu finden.

 Ich könnte das vorwegnehmen. Ich tue es nicht.

 Es ist ein Vertrauen darin, dass sich in diesem Prozess zeigt, was oder ob noch etwas fehlt.

 Und ich bleibe. Auch wenn es nicht leicht ist.